Siehst du, was übrig bleibt. Ist das nicht hübsch? Sieh es dir an. Sieh hin. Sieh hin. Sieh genau hin und dann sag deinen Text auf. Der beginnt mit “ich weiß nicht...” und endet mit Schweigen. Ich kenne das. Ich kenne das nur allzu gut. Ich kenne ja so viel davon. Diese Erwartungen. Immer diese schrecklichen Erwartungen, die morgens schon warten. Kaffee oder Tee, Aufstehen oder Betteln, Anrufen oder Schweigen, ich kenne das, ich kenne das. Es ist schlimm. Es wird immer schlimmer. Alles ist quälend, die Qual ist quälend und lähmend, denn das große Erwarten birgt wider Erwarten nur Einsicht und die teilt man bekanntlich ja nur mit sich allein oder einer klappernden Tastatur oder einem Glas Wein und dem bisschen Einsamkeit, das bisweilen mehr Attitüde ist, mehr selbstverschuldet, als das Fernsehen verspricht. Das Happy End, das wartet nicht in der Straßenbahn, das wartet nicht auf dich, das wartet überhaupt nicht. Ich warte. Text: “Das ist schmerzhaft.”
Räumliche Trennung kreuze ich an und dann mache ich eine Einkaufsliste, da steht:
Paprika
Joghurt
Job
Nicht anrufen
Nicht anrufen
Verdammt: nicht anrufen
Würde wieder finden
Brot
Konjunktive streichen
Das Telefon klingelt. Ich ziehe den Stecker aus der Wand, weil das ein bisschen pathetisch ist und lasse es klingeln, weil ein Mobiltelefon auch ohne Strom klingelt und denke nach. Über meine Zukunft. Und über Mobiltelefone, Wale, Mineralwasser und Erdöl und dabei sehe ich Manuel, meinem Nachbarn zu, wie er mir zusieht, wie ich ihm zusehe und höre Elisabeth zu, weil sie wieder im Hof telefoniert und von ihren Terminen erzählt, die sie nie hat, über die sie aber immer zu berichten weiß. Vielleicht, denke ich, ist Elisabeth ja auch einsam. Vielleicht, denke ich, ist mir das aber auch völlig egal.
Ich bin allein. Das ist nichts Neues. Sieh dir das an. Wir wären wenn wir könnten ja so viel wenn wir doch bloß hätten. Ich verstecke mich in Konjunktiven, Entschuldigungen und Ablenkungsmanövern, die Koffer schon gepackt. Ich muss gehen, ich muss los, ich muss hier raus. Ich komme nicht mehr wieder, das habe ich mir geschworen, betrunken und leergeredet im fünften Stock eines Mehrfamilienhauses, in dem an irgendeiner Tür nicht dein Name steht, aber hinter der nun das passiert war, was im Drehbuch steht, gleich hinter dem zweiten Akt und vor der Katharsis, die nur dir zuteil wird, oder keinem, weil das Licht ausgeht in diesem verdammten Treppenhaus, während ich auf den Stufen sitze und hoffe, dass das alles nur der Prolog war und nicht das Ende.
Schließlich setze ich mich in einen Nachtbus der Linie Sechs und fahre in eine leere Wohnung und schreibe fünfundzwanzig Seiten austauschbaren copyundpaste-Unsinn, den ich am nächsten Morgen unbeherrscht lösche.
Was ich fühle, das lege ich unter die alten Holzdielen, auf denen ich schlafe.
Am Morgen regnet es Hunde und Katzen und Gewitter und verschmierte Wimperntusche und das bisschen Gewissheit, dass es nicht die Worte sind, nicht das Gesagte oder Gelogene, nicht das Gesprochene oder Gestikulierte, das von nun an Händchen hält mit dem Alltag. Es ist all das, was ich dir nicht sagen konnte, der Epilog meiner Gedankengänge, das Gefühlte und Erhoffte, auf dem ich schwer liege und nun nicht mehr schlafen werde.
Gefühle, würdest du vielleicht sagen, sind auch irgendwie überbewertet, das seufze ich in den Badezimmerspiegel, jeden Zentimeter der Fallhöhe spürend, blaue Flecken auf der Haut und schreibe eine neue Einkaufsliste.
Prolog.
Ende.
Die paar Tränen mehr im Waschbecken spült der Alltag weg, ich bin mir sicher, ich bin mir sicher.
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Reading: hoeg
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Playing: with my heart